Psychische Erkrankungen sind im Gegensatz zu anderen Behinderungsarten schwerer zu erkennen, da sie schwer fassbar und nicht immer medizinisch messbar sind. Von einer ernsthaften psychischen Erkrankung spricht man, wenn Denken, Fühlen, Wahrnehmung und Handeln über einen längeren Zeitraum verändert sind. Häufige Krankheitsbilder sind zum Beispiel schizophrene bzw. wahnhafte Störungen, affektive Störungen (zu denen u. a. Depressionen zählen), Ängste oder Persönlichkeitsstörungen.
Ob jemand psychisch erkrankt, ist abhängig von Faktoren wie dem sozialem Rückhalt, dem Arbeitsumfeld aber auch der Veranlagung und der persönlichen Widerstandskraft. Laut einer EU -weiten Studie erkranken statistisch gesehen jede dritte Frau und jeder fünfte Mann einmal im Leben an einer psychischen Störung. Psychische Erkrankungen sind damit die vierthäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit (Wittchen et al. 2011: Größenordnung, gesellschaftliche Belastung und Kosten durch psychische und neurologische Erkrankungen in Europa 2010).
Ein deutlicher Unterschied zu anderen Behinderungen ist der phasenhafte Verlauf einer psychischen Erkrankung. Relativ unbeeinträchtigte Lebensabschnitte können abrupt oder schleichend durch Phasen akuter Krankheit unterbrochen werden oder in Phasen eingeschränkter Belastbarkeit übergehen.
Die folgende Übersicht gibt einen kurzen Einblick in die Vielfalt der Störungen des Allgemeinbefindens:
Psychisch behinderten Menschen sieht man ihre Krankheit meistens nicht an. Im Umgang mit anderen können jedoch Schwierigkeiten auftreten, weil psychisch Erkrankte oft anders reagieren, als man es in der jeweiligen Situation erwartet. Vielfältige Störungen des Erlebens drücken sich beispielsweise in Stimmungsschwankungen, Einschränkungen der Initiative und Ausdauer sowie verminderter Kontaktfähigkeit aus. Die Bandbreite psychischer Erkrankungen reicht von leichten Formen mit geringen, über lange Zeit gleich bleibenden Verhaltensauffälligkeiten bis zu schweren Störungen, die wiederholte stationäre Behandlung erfordern.
Zur Berufswahl sind fast immer mehrere Gespräche mit den Fachkräften der Agenturen für Arbeit anzuraten sowie Untersuchungen durch den ärztlichen und psychologischen Dienst. Die Wahl des richtigen Berufs ist abhängig von den persönlichen Interessen, dem Schulabschluss und der individuellen Situation. Bei psychisch erkrankten Menschen ist der Einstieg in die Berufswelt jedoch häufiger von Rückschlägen und Abbrüchen bedroht. Kreativität und Einfallsreichtum sind daher von den Begleitern gefragt bei der Suche nach einem stabilen Lebenskonzept, denn eine Überforderung durch berufliche Anforderungen und Kontaktschwierigkeiten können leicht zu Misserfolgen führen.
Eine eingehende Untersuchung des individuellen Leistungsvermögens und der sozialen Eingliederungsfähigkeit sollte helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Auch psychosoziale Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen bieten begleitende Hilfe bei Fragen zur Berufswahl an und unterstützen bei Problemen während der Berufsausbildung, um Ausbildungsabbrüche bereits im Vorfeld möglichst zu vermeiden.