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plus:
Boehringer Ingelheim hat als erstes Unternehmen in Deutschland einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention verabschiedet. Wie kam es dazu?
Olaf Guttzeit:
Wir wissen aus der Auseinandersetzung mit dem Thema, aber auch aus persönlichen Erfahrungen in unserem Unternehmen, wie nah beieinander Gesundheit und Erkrankung liegen und wie schnell eine Behinderung das Leben verändern kann. Hinzu kommt, dass die Auswirkungen des demografischen Wandels sich bei uns auszuwirken beginnen: Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt bei Boehringer Ingelheim Deutschland bei 42 Jahren, Tendenz steigend. Damit steigt bei uns die Wahrscheinlichkeit, dass bei längerer Lebensarbeitszeit Mitarbeiter im Laufe ihres Beschäftigungsverhältnisses eine Krankheit, eine Behinderung oder Schwerbehinderung erwerben. Das heißt, wir können es uns schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen schlichtweg nicht leisten, auf die Expertise und die Arbeitsleistung dieser erfahrenen Experten zu verzichten, zumal auch die Rekrutierung von Fachkräften zunehmend schwerer wird.
Die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention werden von unserem Unternehmen stark unterstützt. Gleichberechtigte Teilhabe und der Inklusionsgedanke sind heute schon fest in der Unternehmensphilosophie verankert.
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plus:
Wie sind Sie bei der Entwicklung des Aktionsplanes vorgegangen?
Olaf Guttzeit:
Es war uns wichtig, möglichst viele Schnittstellenbeteiligte einzubinden: Im Rahmen eines transparenten und partizipativen Arbeitsprozesses innerhalb des Unternehmens wurden sowohl die Schwerbehindertenvertrauenspersonen, die Vertreter der Standortbetriebsräte und die Arbeitgeberbeauftragten für Menschen mit Behinderung am Standort Deutschland, als auch die Geschäftsführung einbezogen.
Auch die Umsetzung des Aktionsplans wird von einem Team gesteuert, das aus Schwerbehindertenvertrauenspersonen, Vertretern der Standortbetriebsräte und den Arbeitgeberbeauftragten aller Gesellschaften von Boehringer Ingelheim besteht. Wenn es um fachspezifische Fragestellungen geht, ist es die Aufgabe der jeweiligen Abteilungen, die entsprechenden Maßnahmen umzusetzen. Zudem werden kompetente externe Partner herangezogen, wie das UnternehmensForum für die Integration
von Menschen mit Behinderungen, Krankenkassen oder auch Integrationsfachdienste.
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plus:
In welchen betrieblichen Handlungsfeldern sieht der Aktionsplan Maßnahmen vor?
Olaf Guttzeit:
Der Aktionsplan von Boehringer Ingelheim enthält Vorschläge für konkrete Maßnahmen in sieben Handlungsfeldern, die in den nächsten acht Jahren umgesetzt werden sollen. Dazu gehört der Bereich “Soziale Leistung” ebenso wie die Themen “Arbeitsplatzgestaltung und Beschäftigung”, “Ausbildung, Bildung und Qualifizierung”, “Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit” sowie “Gesundheitsmanagement, Prävention und Rehabilitation”, “Mobilität und Barrierefreiheit” oder auch “Barrierefreie Kommunikation”. Die Maßnahmen kommen dabei nicht nur den Mitarbeitern mit einer Behinderung zugute. Wenn die Belange behinderter Menschen z. B. bei Baumaßnahmen selbstverständlich berücksichtigt werden, dann hat die gesamte Belegschaft etwas davon. Es gibt aber nicht nur bauliche Barrieren, die die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung im Unternehmen erschweren. Aus unserer Sicht ist es sehr wichtig, die Barrieren in den Köpfen zu beseitigen – bei allen: Vorgesetzten und Kollegen. Wir sind sicher, dass der Aktionsplan dabei hilft, diese Barrieren abzubauen.
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plus:
Wie sehen Sie den Nutzen des Aktionsplanes für das Unternehmen?
Olaf Guttzeit:
Die unternehmensinterne Beschäftigung mit dem Thema Behinderung beinhaltet zwei Komponenten: die soziale Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter und die rechtzeitige Vorbereitung auf älter werdende Belegschaften. Dies hat auch eine wirtschaftliche Relevanz, weil es gilt, durch behinderungsgerechte Personalplanung und Arbeitsgestaltung – die dem jeweiligen Lebensalter angemessen sein muss – Fehlzeiten, Ausfällen und Fachkräftemangel vorzubeugen.
Darüber hinaus wollen wir mit unserem Aktionsplan – im Sinne von Best Practice – auch anderen Unternehmen eine Anregung dafür geben, wie ein Aktionsplan großer Unternehmen aussieht und wie er in Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren innerhalb der Belegschaft, staatlichen Stellen, und den Sozialpartnern umgesetzt werden kann. Wir wollen dazu ermutigen, das Thema demografischer Wandel ebenso wie die Tatsache, dass Behinderung jeden treffen kann, ernst zu nehmen und sich intensiv damit zu beschäftigen.
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plus:
Was würden Sie Unternehmen raten, die auch in dem Bereich aktiv werden möchten?
Olaf Guttzeit:
Sich darüber bewusst zu werden, dass es – vermutlich – bereits bestehende Aktivitäten im Unternehmen gibt und auch entsprechendes Know-how vorhanden ist, steht am Anfang eines strategischen Engagements. Dies zu bündeln, unternehmensintern eine gemeinsame Basis zu schaffen und für weitere Entwicklungsschritte möglicherweise auch externen Austausch in Anspruch zu nehmen, ist aus unserer Erfahrung sinnvoll. Aus diesem Grund ist Boehringer Ingelheim seit vielen Jahren im UnternehmensForum aktiv, einem Zusammenschluss von Unternehmen, die sich für die Integration von Menschen mit Behinderung einsetzen. Von den guten Erfahrungen anderer zu lernen und praxiserprobte Lösungen auf das eigene Unternehmen zu übertragen, spart nicht nur Zeit, sondern auch Kosten. Auch wenn es um die Erstellung eines Aktionsplans geht, kann externe Unterstützung sinnvoll sein, wie es z. B. das Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft gGmbH (IMEW) anbietet.
Ein nachhaltiges Engagement zahlt sich aus, nicht nur wirtschaftlich, und führt zu einem neuen Grundverständnis. Statt bei Menschen mit Behinderung vor allem das zu sehen, was sie nicht können, geht es jetzt darum, eine vorurteilsfreie und ressourcenorientierte Haltung einzunehmen. Aktionspläne zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sind hier wichtige Wegweiser.
talent
plus:
Herr Guttzeit, vielen Dank für das Interview.
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